Fotos für die Pressefreiheit 2015

Buch: Fotos für die Pressefreiheit 2015
Buch: Fotos für die Pressefreiheit 2015

Es ist Oktober, das Jahr beinahe zu Ende. Seit Monaten liegt neben mir das Buch von Reporter ohne Grenzen „Fotos für die Pressefreiheit 2015“. Und seit Monaten habe ich ein schlechtes Gewissen, weil ich mir bisher nicht die Zeit für das Buch genommen habe, die es verdient. Allein über die Rangliste der Pressefreiheit kann man lange nachdenken: Auf Platz 1 ist Finnland, auf Platz 180 Eritrea. Vorgestern kam in den Nachrichten, dass in einem Flüchtlingsheim in Thüringen, das abgebrannt ist, ein junger Mann aus Eritrea verbrannt ist. Geflohen aus dem Land mit der geringsten Pressefreiheit, ganz bestimmt nicht grundlos, nur um vor seinem 30. Geburtstag in Deutschland zu sterben, verbrannt zu werden. Die Bundesrepublik liegt übrigens auf Platz 12 der Rangliste.

Das Buch „Fotos für die Pressefreiheit“ zeigt nicht nur Bilder. Anders, als der Titel vermuten lässt, gibt es hier auch einseitige Geschichten – zu Afghanistan, Hongkong, den USA, der Türkei, Kolumbien, Thailand, Aserbaidschan und einigen anderen Ländern. Kurze Artikel im Nachrichtenstil, die mehr auf Fakten setzen als auf Emotionen. Artikel, die es wert sind, gelesen zu werden. Um zu wissen, was auf der Welt passiert, und wovon manche nur selten etwas mitbekommen. Texte, die vielleicht auch eine Erklärung sind für den Flüchtlingsstrom gen Westen. In Verbindung mit Bildern, die eigentlich jedem klarmachen müssten, dass niemand aus Spaß an seinem Leben im Heimatland flieht, sondern nur, weil die Lage dort unerträglich und lebensgefährlich geworden ist. Das Problem dabei ist wie so oft: Wer es nicht wissen will, wer lieber bei seiner dumpf-hohlen Einstellung zum Thema bleibt und dafür lautstark widerliche Parolen im Schutz der Masse oder unter falschem Namen in den sozialen Netzwerken schreit, der wird weder die Texte lesen, noch diese Bilder anschauen. Bilder, die immer wieder leere Augen zeigen, zerbombte Städte, die denen in Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg zu ähnlich sehen, Bilder von Toten, Verletzten und auch immer wieder Bilder von Menschen mit schweren Waffen.

Es ist Oktober. Und eigentlich steht Weihnachten schon wieder vor der Tür. Vielleicht will der eine oder andere das Buch jemandem unter den Christbaum legen. Der Verkaufserlös fließt in die Menschenrechtsarbeit.

Dieser Text erschien zur Initiative #bloggerfuerfluchtlinge

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